Von neuen Aufträgen bis zur Versorgungssicherheit: Warum regionale Handwerksbetriebe und insbesondere das Lebensmittelhandwerk für eine widerstandsfähige Gesellschaft unverzichtbar sind.
Wie kann das Handwerk von den steigenden Verteidigungsinvestitionen profitieren – und welchen Beitrag leisten regionale Betriebe zur Sicherheit Deutschlands? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Veranstaltung der Handwerkskammer für Unterfranken am 28. Oktober an der ich teil nehmen konnte.
Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul unterstrich, wie wichtig verlässliche Informationen für die Betriebe sind. Dabei wurde auch deutlich: Bürokratische Hürden entstehen nicht allein durch politische Vorgaben, sondern teilweise durch deren Umsetzung vor Ort.
Ich lieferte zunächst einen Input, um die Zeitenwende aus verteidigungspolitischer Sicht einzuordnen. Neben militärischer Ausrüstung sind aus meiner Sicht eine funktionierende Infrastruktur und eine sichere Versorgung entscheidend. Gerade im Krisenfall kommt es darauf an, dass regionale Unternehmen leistungsfähig bleiben und wichtige Dienstleistungen aufrechterhalten können.
Eine besondere Rolle spielt dabei das Lebensmittelhandwerk.
Bäckereien, Metzgereien, Mühlen und andere regionale Verarbeitungsbetriebe sichern nicht nur im Alltag die Versorgung mit Lebensmitteln. Ihre dezentralen Strukturen, kurzen Wege und regionalen Lieferketten können auch in Krisensituationen entscheidend sein. Denn Versorgungssicherheit bedeutet weit mehr als gefüllte Vorratslager: Lebensmittel müssen auch bei Stromausfällen, unterbrochenen Lieferketten oder anderen Krisen weiterhin verarbeitet und verteilt werden können.
Ich setze mich deshalb auch parlamentarisch für eine stärkere Berücksichtigung des Lebensmittelhandwerks in der zivilen Krisenvorsorge ein. Gemeinsam mit meiner Fraktion habe ich Anträge zur nationalen Ernährungssicherung und zur Stärkung des Lebensmittelhandwerks eingebracht. Darin fordern wir Grüne unter anderem, regionale Versorgungsstrukturen zu erhalten, bürokratische Hürden abzubauen und das Lebensmittelhandwerk systematisch in die Krisenplanung einzubeziehen. Denn mit jedem Betrieb, der dauerhaft schließt, gehen nicht nur Arbeitsplätze und handwerkliches Wissen verloren, sondern möglicherweise auch wichtige regionale Versorgungskapazitäten.
Götz Witzel von WIMCOM zeigte anschließend auf, welche wirtschaftlichen Perspektiven sich für das Handwerk ergeben. Ob Bau, Elektro- und Energietechnik, Wartung oder Versorgung – zahlreiche Gewerke können an den zusätzlichen Bedarfen beteiligt sein. Voraussetzung dafür sind transparente Vergabeverfahren und ein Zugang zu öffentlichen Aufträgen, der auch für kleinere Betriebe praktikabel ist.
Ein weiteres zentrales Thema war die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen. Sichere Lieferketten, ausreichend Fachkräfte, Notfallplanung und Cybersicherheit helfen, auch bei Störungen handlungsfähig zu bleiben.
Das Fazit: Die Zeitenwende betrifft das Handwerk unmittelbar – als wirtschaftliche Chance und als Beitrag zur regionalen Versorgungssicherheit. Gerade das Lebensmittelhandwerk zeigt, dass Sicherheit nicht erst bei militärischer Ausrüstung beginnt, sondern auch bei funktionierenden regionalen Strukturen. Damit diese Potenziale genutzt werden können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Handwerksorganisationen und öffentlichen Auftraggebern.
