ShowDown@Bundestag

Bundesregierung / StadtLandMensch-Fotografie

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin …

… dröhnte es am Morgen des 17. Juni lautstark durch den Aschaffenburger Hauptbahnhof. Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Niklas Wagener und liebevoll begleitet von seiner Mitarbeiterin Claudia Gerweck startete die beinahe 50-köpfige, quirlige Reisegruppe des ShowDown-Projekts der Lebenshilfe Schmerlenbach begeistert ins große Abenteuer Berlin – und das irgendwie in doppelter Mission: Einerseits ging es natürlich darum, die Hauptstadt unseres Landes und das Zentrum unserer Demokratie hautnah kennenzulernen, andererseits wollten wir uns auch dort als quicklebendige Botschafter für Vielfalt, gesellschaftliches Miteinander und Lebensfreude präsentieren.

Allen Unkenrufen zum Trotz verlief die Bahnanreise absolut störungsfrei. Wir nutzten die Gelegenheit, uns untereinander noch besser kennenzulernen und als verschworene Gemeinschaft den Berliner Hauptbahnhof zu erreichen. Nach dem Einchecken im Hotel und einem leckeren Abendessen erwartete uns gleich ein erstes Highlight: Auf dem Weg zum Biergarten trafen wir auf eine Rapper-Gruppe, deren Aufforderung, einfach mitzumachen, natürlich mit vollem Körpereinsatz und etlichen tollen neuen Moves begeistert Folge geleistet wurde.

Nach diversen „Happy Hours“ und zum Teil überschaubar langer Nachtruhe wurden uns am Donnerstagvormittag auf einer dreistündigen Stadtrundfahrt zahlreiche Berliner Sehens- und Hörenswürdigkeiten vorgestellt. Anschließend ließen wir uns ein leckeres Mittagessen in Berlin-Mitte schmecken. Die Präsentation des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundespresseamt (BPA) kam aufgrund der zahlreichen Fragen und Wortmeldungen – insbesondere unserer Teilnehmenden mit Down-Syndrom – nach dem Begrüßungsvideo der Ministerin Karin Prien nicht über die Startseite hinaus und verlief erfreulich emotional. Komplizierte Sachverhalte wurden dabei hervorragend und verständlich in leichte Sprache „übersetzt“.

Der emotionale Höhepunkt erwartete uns jedoch am Abend: die Revue „Blinded by Delight“ im Friedrichstadt-Palast. Bei dieser Show der Superlative saßen wir ganz weit vorne, fast schon auf der Bühne. Bereits beim ersten mitreißenden Showact gab es bei unseren „Stars im Publikum“ kein Halten mehr. Es wurde hingebungsvoll mitgetanzt, geklatscht, gewirbelt, mitgefiebert und gestrahlt, sodass einige der fantastischen Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne immer wieder lächelnd in unsere Richtung winkten. Dieses traumhafte Erlebnis wirkte bei vielen über die wuselige U-Bahn-Fahrt hinaus bis tief in die Nacht nach.

Feucht – wenn auch nicht ausschließlich fröhlich – ging es am Freitagvormittag bei tropischen Temperaturen im Tränenpalast weiter. Dort wurde uns in leichter Sprache die Geschichte der Berliner Mauer und der deutsch-deutschen Teilung nähergebracht. Nach dem Mittagessen am Brandenburger Tor zog dann buchstäblich unsere Karawane vorbei an der glühend heißen aktuellen „Baustellenwüste“ ins Regierungsviertel ein.

Dort stellte sich nach erfolgreichem ersten Sicherheitscheck Dr. Sven Drebes (Referent der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für Behindertenpolitik, Inklusion, Barrierefreiheit und Teilhabe) freundlich und ausführlich unseren Fragen. Eindrucksvoll wurde seine eigene ausgeprägte Sprachbeeinträchtigung durch einen jungen Assistenten „weggedolmetscht“.

Und nun war es so weit: Das Zentrum unserer Demokratie, der Deutsche Bundestag, war erreicht. Nach einem zweiten Sicherheitscheck betraten wir den Plenarsaal. Noch schnell ein paar Fotos auf der Zuschauertribüne machen und Informationen über Parlament und Verfassungsorgane sammeln – und dann stand er tatsächlich live vor uns: unser Gastgeber, Bundestagsabgeordneter Niklas Wagener.

Nach der herzlichen Begrüßung und dem offiziellen Fotoshooting konnten wir ihn mit zahlreichen „akribisch vorbereiteten“ und spontanen Wortbeiträgen sowie Fragen „überfallen“ und ihm dankbare Grüße, kleine Mitbringsel und große Bilder überreichen. Er blieb dabei unerschütterlich freundlich, fröhlich und nahbar – irgendwie eben einer von uns. Das führte schließlich dazu, dass er uns bis in die späten Abendstunden begleitete und uns noch so manche weitere „Happy Hour“ bescherte.

Nach dem erneut nicht ganz emotionsfreien Auschecken aus dem Hotel standen am Samstag schließlich die „Hackeschen Höfe“ auf dem Programm. Dort konnten wir in einer Art Flashmob spontan zwei fetzige ShowDown-Songs gemeinsam schmettern und uns gut sichtbar und hörbar präsentieren. Anschließend machten wir uns zu einem individuellen Rundgang durch das alte Berlin auf. Randvoll mit eindrucksvollen Erlebnissen und unvergesslichen Erinnerungen traten wir schließlich am Berliner Hauptbahnhof die Heimreise an.

Dabei ließen wir uns auch von einer dreistündigen Verspätung (!!!) unsere Hochstimmung kein bisschen vermiesen – ganz im Gegenteil: So mussten wir die wohl eher weniger begeisternde erste Halbzeit des Spiels gegen die Elfenbeinküste gar nicht live miterleben.

Fazit:

Von dieser Reise werden wir noch lange zehren,
dagegen kann sich bestimmt niemand wehren.
Berlin wirkt halt fast wie ein Zaubertrank –
liebe Claudia Gerweck, lieber Niklas: Herzlichen Dank!

Autor: Horst Roller „ShowDown“ der Werkstadt Aschaffenburg