Wälder in der Krise: Warum wir jetzt handeln müssen

Waldpolitik
Waldpolitik

Vier von fünf Bäumen in Deutschland sind geschädigt. Eine Zahl, die aufhorchen lässt. Hitze, Dürre, Stürme und Schädlinge setzen unseren Wäldern massiv zu. Der Zustand vieler Wälder ist längst kein Naturproblem mehr, sondern eine zentrale Herausforderung für Klima-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik.

Wälder unter Druck – was steckt dahinter?

Die Schäden in deutschen Wäldern sind eine Folge der Klimakrise. Lange Trockenperioden schwächen die Bäume, wodurch sie anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer werden. Gleichzeitig sorgen Extremwetterereignisse für zusätzliche Belastung. Besonders betroffen sind Monokulturen wie Fichtenbestände, die den veränderten Klimabedingungen kaum standhalten.

Gesunde Wälder sind jedoch unverzichtbar. Sie speichern große Mengen CO₂ und sind damit ein zentraler Hebel im Klimaschutz, sie kühlen ihre Umgebung und stabilisieren lokale Klimasysteme und schützen Böden vor Erosion und sichern Wasserhaushalte. Außerdem bieten sie Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Wenn Wälder geschwächt werden oder verschwinden, verlieren wir all diese Funktionen gleichzeitig.

Kritik an aktueller Politik auf Bundesebene

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum viele Umwelt- und Naturschutz*innen die aktuelle Politik von Bundesminister Alois Rainer (CSU) kritisch sehen. Insbesondere beim Waldumbau – also der Umstellung auf klimastabile Mischwälder – geht es aus Sicht vieler trotz der vielen Bemühungen zu langsam voran. Zusätzlich sorgt das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz für Diskussionen. Wir befürchten, dass Eingriffe in Natur und Landschaft künftig leichter „kompensiert“ werden können wie etwa durch Ausgleichszahlungen. Das Problem: Natur lässt sich nicht einfach ersetzen. Ein gewachsener Wald ist ein komplexes Ökosystem, das sich nicht kurzfristig durch Geld oder Ersatzpflanzungen ausgleichen lässt.

Was jetzt gebraucht wird

Aus unserer Perspektive ist klar: Es braucht eine grundlegende Neuausrichtung der Waldpolitik. Dazu gehören:

1. Klimaresiliente Wälder fördern
Der Umbau hin zu stabilen naturnahen Mischwäldern muss konsequent vorangetrieben werden – mit langfristiger Unterstützung für Waldbesitzer*innen.

2. Bundeswaldgesetz modernisieren
Das aktuelle Gesetz stammt in weiten Teilen aus einer Zeit, in der Klimaschutz noch keine zentrale Rolle spielte. Es braucht klare Leitplanken für nachhaltige Bewirtschaftung, Biodiversität und Klimaanpassung.

3. Ökologische Funktionen ernst nehmen
Wälder sind mehr als Holzlieferanten. Ihre Rolle für Klima, Wasser, Artenvielfalt und Lebensqualität muss stärker in politische Entscheidungen einfließen.

4. Natur schützen statt „verrechnen“
Eingriffe in Wälder und Ökosysteme dürfen nicht durch pauschale Ausgleichszahlungen relativiert werden. Schutz und Erhalt müssen Vorrang haben.

Die Situation ist eindeutig: Unsere Wälder stehen unter massivem Druck. Wer Klimaschutz ernst meint, muss auch den Wald schützen und stärken. Denn klar ist auch: Kein Geld der Welt ersetzt einen gewachsenen Wald.